
Selbstführung-Coaching in Iserlohn
Selbstführung: Wenn der eigene Anspruch zum Stressfaktor wird
Im beruflichen Alltag sind Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit, hohe Ansprüche und Einsatzbereitschaft wertvoll. Sie helfen uns dabei, gute Arbeit zu leisten und Verantwortung zu übernehmen. Schwierig wird es manchmal dann, wenn aus einem „Ich möchte es gut machen“ ein „Ich darf keinen Fehler machen“ wird oder aus Verantwortungsbewusstsein das Gefühl entsteht, für alles selbst verantwortlich zu sein.
Selbstführung bedeutet für mich deshalb nicht, sich selbst möglichst gut zu optimieren. Vielmehr geht es darum, die eigenen Bedürfnisse, Grenzen und persönlichen Muster besser zu verstehen und bewusst mit ihnen umzugehen.
Perfektionismus kann antreiben und motivieren. Gleichzeitig kann der eigene Anspruch so hoch werden, dass selbst gute Leistungen nicht mehr genügen. Vielleicht fällt es schwer, Aufgaben abzugeben, Fehler zu akzeptieren oder irgendwann zu sagen: „Das ist jetzt gut genug.“
Hilfreich kann es sein, genauer hinzuschauen: Was erwarte ich eigentlich von mir? Welche Ansprüche sind wirklich notwendig – und welche setze ich mir selbst? Und was würde passieren, wenn ich nicht alles perfekt mache?
Viele Menschen übernehmen mehr Verantwortung, als ihnen eigentlich guttut. Sie sagen Ja, obwohl sie Nein meinen, übernehmen zusätzliche Aufgaben oder versuchen, die Erwartungen anderer möglichst gut zu erfüllen.
Dahinter können ganz unterschiedliche Gründe stehen: der Wunsch, zuverlässig zu sein, die Sorge, andere zu enttäuschen, Konflikte zu vermeiden oder das Gefühl, gebraucht werden zu müssen.
Grenzen zu setzen bedeutet dabei nicht, weniger engagiert zu sein. Es bedeutet, die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen und Verantwortung auch dort abzugeben, wo sie nicht bei einem selbst liegt.
Auch Menschen, die nach außen sehr kompetent und erfolgreich wirken, können innerlich immer wieder zweifeln. Vielleicht entsteht der Eindruck, die eigenen Erfolge seien eher Glück gewesen oder andere könnten jederzeit merken, dass man eigentlich gar nicht so kompetent ist, wie sie denken.
Das sogenannte Impostor-Phänomen beschreibt genau dieses Erleben. Dabei hilft es häufig nicht, sich einfach zu sagen: „Du bist doch erfolgreich.“ Interessanter ist die Frage, warum die eigenen Leistungen so schwer angenommen werden können und welchen Maßstab man an sich selbst anlegt.
Nicht jede Rückmeldung löst dieselbe Reaktion aus. Manchmal beschäftigt uns ein Satz noch Tage später, während wir eine andere kritische Rückmeldung problemlos annehmen können.
Das kann damit zusammenhängen, welche persönlichen Themen durch eine Rückmeldung berührt werden. Kritik an der eigenen Arbeit kann sich beispielsweise plötzlich wie Kritik an der eigenen Person anfühlen. Wer die eigenen Reaktionsmuster besser versteht, kann lernen, zwischen einer tatsächlichen Rückmeldung und der Bedeutung zu unterscheiden, die man ihr selbst gibt.
Gerade Menschen mit einem hohen Verantwortungsgefühl geraten leicht in ein Spannungsfeld: Sie möchten Dinge zuverlässig gestalten und haben gleichzeitig das Gefühl, immer noch mehr tun zu müssen.
Selbstführung bedeutet auch, die eigene Verantwortung von der Verantwortung anderer zu unterscheiden. Was liegt tatsächlich in meiner Hand? Was kann ich beeinflussen? Und was muss ich akzeptieren, auch wenn es mir schwerfällt?
Selbstführung bedeutet nicht, dass uns die Erwartungen anderer plötzlich egal sind oder dass wir jede Situation gelassen hinnehmen müssen. Es geht vielmehr darum, einen größeren Handlungsspielraum zwischen Reiz und Reaktion zu entwickeln.
Manchmal beginnt Veränderung deshalb mit einer kleinen Pause: Warum reagiere ich gerade so? Was brauche ich eigentlich? Und möchte ich wirklich so handeln – oder habe ich das Gefühl, handeln zu müssen?
Im Coaching geht es nicht darum, aus einem Menschen eine „optimierte Version“ seiner selbst zu machen. Es geht darum, die eigenen Muster besser zu verstehen, Handlungsspielräume zu erweitern und Entscheidungen bewusster treffen zu können.
Denn gute Selbstführung bedeutet nicht, immer alles im Griff zu haben. Sie bedeutet, sich selbst auch dann gut führen zu können, wenn es gerade schwierig wird.
