TIST in Iserlohn

TIST (Trauma-Informed Stabilization Treatment) nach Janina Fisher

Manche Menschen erleben, dass sie in bestimmten Situationen ganz unterschiedlich auf Belastungen reagieren. Ein Teil möchte stark sein und funktionieren, ein anderer fühlt sich vielleicht ängstlich, verletzt oder zieht sich zurück. Diese unterschiedlichen Reaktionen können verwirrend sein – sie sind jedoch oft nachvollziehbare Schutzstrategien, die sich im Laufe des Lebens entwickelt haben.

Innere Anteile und Schutzstrategien mit TIST verstehen

TIST geht davon aus, dass solche „inneren Anteile“ keine Schwäche oder Krankheit sind, sondern kreative Versuche des Körpers und der Psyche, mit belastenden Erfahrungen umzugehen. Ziel der Therapie ist es, diese Anteile besser kennenzulernen, ihre Funktion zu verstehen und einen achtsamen Umgang mit ihnen zu entwickeln.

Stabilität und Selbstmitgefühl fördern

Mir ist dabei besonders wichtig, dass Sie sich Ihren inneren Reaktionen nicht mit Druck oder Selbstkritik nähern müssen. Stattdessen schaffen wir gemeinsam einen sicheren Rahmen, in dem Verständnis, Stabilität und Selbstmitgefühl wachsen können. So können innere Konflikte Schritt für Schritt an Intensität verlieren und neue Handlungsmöglichkeiten entstehen.

Häufige Fragen zu TIST

Was ist mit „inneren Anteilen“ gemeint?

Der Begriff „innere Anteile“ beschreibt unterschiedliche Erlebensweisen, Gefühle oder Reaktionen, die in bestimmten Situationen stärker in den Vordergrund treten können. Vielleicht gibt es eine Seite, die im Alltag gut funktioniert, während eine andere sehr ängstlich, angespannt oder verletzlich reagiert.

Damit sind nicht automatisch verschiedene Persönlichkeiten gemeint. Der Begriff kann vielmehr dabei helfen, widersprüchliche Reaktionen besser zu verstehen und ihnen mit mehr Neugier und weniger Bewertung zu begegnen.

Warum reagiert mein Körper noch auf Gefahr, obwohl ich heute in Sicherheit bin?

Nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen können bestimmte Situationen Reaktionen auslösen, obwohl im gegenwärtigen Moment keine unmittelbare Gefahr besteht. Manchmal geschieht das sehr schnell und noch bevor wir bewusst verstehen, was uns gerade so stark berührt.

Der Körper kann beispielsweise mit Anspannung, Unruhe oder dem Impuls zu fliehen reagieren. Andere Menschen erleben eher Erstarrung, Rückzug oder das Gefühl, innerlich weit weg zu sein. Solche Reaktionen können verständlicher werden, wenn wir gemeinsam betrachten, was sie auslöst und welche Funktion sie einmal gehabt haben.

Was bedeutet Stabilisierung in der Traumatherapie?

Stabilisierung bedeutet nicht, schwierige Gefühle oder Reaktionen nicht mehr haben zu dürfen. Vielmehr geht es darum, sie früher wahrzunehmen und zunehmend besser mit ihnen umgehen zu können, ohne von ihnen vollständig überwältigt zu werden.

Eine hilfreiche Vorstellung dafür ist das sogenannte Toleranzfenster („Window of Tolerance“). Es beschreibt vereinfacht einen Bereich, in dem wir Anspannung und Gefühle erleben können und trotzdem noch in der Lage sind, wahrzunehmen, zu denken und zu handeln.

Wird die Anspannung zu stark, kann es zu einer Übererregung kommen. Das kann sich zum Beispiel durch starke innere Unruhe, Angst, Anspannung oder das Gefühl zeigen, ständig in Alarmbereitschaft zu sein. Sinkt die Aktivierung dagegen sehr stark ab, können Erstarrung, Rückzug, Leere oder das Gefühl, innerlich weit weg zu sein, in den Vordergrund treten.

In der therapeutischen Arbeit kann es darum gehen, die eigenen Anzeichen für solche Zustände besser kennenzulernen und Möglichkeiten zu entwickeln, wieder in einen Bereich zurückzufinden, in dem mehr Sicherheit und Orientierung möglich sind. Mit der Zeit kann sich so auch der Spielraum erweitern, in dem belastende Gefühle und Situationen ausgehalten und bewältigt werden können.

Muss ich bei TIST über traumatische Erfahrungen sprechen?

Nicht alles muss sofort erzählt oder ausführlich beschrieben werden. Gerade wenn Erinnerungen sehr belastend sind, kann es zunächst wichtiger sein, einen guten Umgang mit den Reaktionen zu entwickeln, die sich im gegenwärtigen Alltag zeigen.

Was Sie erzählen möchten und womit wir uns beschäftigen, richtet sich nach Ihrer persönlichen Situation und Ihrem Tempo. Es geht nicht darum, möglichst schnell an belastende Erinnerungen heranzukommen.

Woran kann ich merken, dass ich innerlich stabiler werde?

Veränderungen zeigen sich nicht bei jedem Menschen auf die gleiche Weise und müssen nicht immer groß sein. Vielleicht bemerken Sie etwas früher, wenn Ihre Anspannung steigt. Vielleicht gelingt es Ihnen leichter, zu erkennen, was Sie gerade brauchen, oder Sie finden nach einer belastenden Situation schneller wieder Orientierung.

Auch ein verständnisvollerer Umgang mit den eigenen Reaktionen kann eine Veränderung sein. Solche Entwicklungen können wir im therapeutischen Prozess gemeinsam wahrnehmen und einordnen.